#unfollowme trägt zur Bildung von Filterblasen bei.

#unfollowme: macht es ihnen doch in ihren Filterblasen nicht so gemütlich!

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Gerade schwappt ein Meme durch meine Twitter-Timeline, das mich etwas unschlüssig zurücklässt. Gemeint ist die, von den Musikern Smudo und Sido unter #unfollowme initiierte Aufforderung an rechte Follower, deren Accounts zu entfolgen. Das bringt meiner Ansicht nach einige Probleme mit sich, die die Initiatoren nicht bedacht haben.

Wir bauen uns unsere Filterblasen selbst

Niemand hat gern Rechte, oder besser: Rechtsradikale unter seinen Followern. Gerade bei Prominenten wie den Begründen von #unfollowme lässt sich das aber vermutlich nicht vermeiden. Ob es aber die richtige Reaktion ist, solche Follower auszuschließen, wage ich zu bezweifeln. Ich fühle mich dabei an eine ähnliche „Bewegung“ von vor vier Jahren erinnert.

Damals bedienten sich zahlreiche Facebook-User eines Tools, das unter Rückgriff auf die Graphsearch angab, wlcher der eigenen Kontakte Fan von Pegida ist. Das erschien praktisch, war es so doch recht einfach, zu sehen ob man Rechtsradikale und Rassisten unter seinen „Freunden“ hat um diesen dann umgehend die (digitale) Freundschaft zu kündigen.

Inhaltlich kann zu diesem Move nun jeder stehen wie er will. Ich selbst kann nicht ausschließen, damals nicht auch die ein oder andere digitale Freundschaft aufgekündigt zu haben. Eines Problems, das damit jedoch einhergeht, wurde ich mir allerdinsg erst einige Zeit später gewahr:

Durch das Abbrechen der Beziehungen zu diesen Menschen berauben wir uns auch der Möglichkeit, ihnen zu widersprechen, respektive sie mit Meinungen zu konfrontieren, die ihren eigenen nicht entsprechen.

Ich tat dies beispielsweise regelmäßig mit einer Person aus meinem erweiterten Familienkreis. Besagte Person lebte ihre rechten Verschwörungstheorien mit großer Vorliebe online aus. Von ihren Freunden bekam sie dafür stets Zuspruch, ich war der einzige, der den oft hanebüchenen Unsinn entkräftigte und ihr erklärende Links zur Verfügung stellte. Nun maße ich mir nicht an, dass sich auch nur ein einziger Verschwörungstheoretiker durch Fakten bekehren lässt. Widerspruch ist aber immerhin ein Misston im Konzert der schrillen Zustimmung auf die eigenen kruden Ideen.

Durch das Abbrechen der Verbindung war besagte Person nun allein in einer Echokammer, voll mit Verschwörungstheoretikern, Nazis und anderen Verwirrten. Der Mensch neigt dazu, nur solchen Aussagen zu vertrauen, die der eigenen Meinung zumindest nahestehen. In der Psychologie ist dieses Phänomen als Confirmation Bias, oder auch Bestätigungsfehler bekannt.

Kampagnen wie #unfollowme verstärken die Tendenz zur Bildung von Filterblasen, denn sie Sorgen dafür, dass gerade diejenigen den Widerspruch nicht mehr hören, denen doch so dringend widersprochen werden muss. Klick um zu Tweeten

In den sozialen Netzwerken scheinen in den vergangenen Jahren regelrechte Parallelgesellschaften entstanden zu sein, die nur noch die schrillen Stimmen in der Echokammer, respektive der eigenen Filterblase zu hören bekommen. Die Verbindungen nach außen wurden ja abgebrochen, Widerspruch gibt es nicht mehr.

Nun kann mein Beispiel natürlich nur anekdotische Evidenz beanspruchen, doch zeigt es was passiert, wenn die Gegenrede nicht mehr gehört wird.

#unfollowme löst keine Probleme, es schafft aber Neue

Wir verteufeln nur zu häufig die Algorithmen der von YouTube, Facebook, Instagram, usw. dafür, dass sie den Nutzern stets nur mehr vom Gleichen zeigen und dabei tatsächlich einen beunruhigenden Hang zu Extremen haben. Wir sollten dabei aber nicht vergessen, dass wir diese problematischen Tendenzen der Algorithmen durch unser eigens Klickverhalten im Netz manuell noch verstärken, wenn wir aktiv dazu beitragen, dass solche Filterblasen entstehen.

Und damit wäre ich auch wieder beim Anlass für diesen Beitrag angekommen: Kampagnen wie #unfollowme verstärken die Tendenz zur Bildung von Filterblasen, denn sie Sorgen dafür, dass gerade diejenigen den Widerspruch nicht mehr hören, denen doch so dringend widersprochen werden muss. Nicht, weil sie umgestimmt werden könnten, sondern damit sie es in ihren Filterblasen nicht so bequem haben.

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