Reinhold Gall (SPD), Twitter und #vermeintlicheFreiheitsrechte.

Reinhold Gall verzichtet gern auf vermeintliche Freiheitsrechte

Reinhold Gall (SPD), Twitter und #vermeintlicheFreiheitsrechte.

Reinhold Gall, SPD-Innenminister demonstriert wie sich ein Politiker mit einem einzigen Tweet vollkommen unmöglich machen kann. Ein Lehrstück, wie politische Kommunikation auf Twitter nicht funktioniert.

Wie politische Kommunikation in Social Media nicht funktioniert

Social Media ist ein mächtiges Werkzeug für die politische Kommunikation. Fast schon legendär sind beispielsweise die Social Media-Kampagnen von Barack Obama, die sicher nicht unbeträchtlichen Einfluss auf seine Wahlsiege hatte.

Das genaue Gegenteil ist dieser Tage in der deutschen Provinz zu beobachten. In Baden Württemberg gelingt es dem Innenminister Reinhold Gall gerade, sich selbst und seine Partei noch mehr in Misskredit zu bringen, als es nach dem Votum der Sozialdemokraten für die Vorratsdatenspeicherung ohnehin der Fall gewesen wäre.

Es war vermutlich dem Augenblick des Triumphs geschuldet, dass Gall über seinen Tweet vom 20. Juni nicht so richtig nachgedacht hat. Nach innerparteilicher Debatte hat die SPD beschlossen, das Vorhaben der Bundesregierung, die Vorratsdatenspeicherung einzuführen, zu unterstützen. Gall, Unterstützer der VDS animierte dies zu folgendem Tweet:

Punktlandung. Genau so wird ein Shitstorm ausgelöst.   Wenig verwunderlich ist, dass ein so klares Bekenntnis für die Vorratsdatenspeicherung auf einem Medium wie Twitter Unmut auslöst. Das ist auch nicht das Problem.  

Nazi-Jargon und Missachtung des Grundgesetzes

  Problematisch sind eher zwei Formulierungen (von der abstrusen Argumentation abgesehen) und der Umgang mit der postwendend folgenden Kritik:   1. „Vermeintliche Freiheitsrechte“ – Eine solche Formulierung aus dem Munde eines Innenpolitikers, der seinen Amtseid auf das Grundgesetz geleistet hat ist schon bemerkenswert.   2. „Kinderschänder“ – Auch wenn der Begriff inzwischen auch in den Boulevardmedien geläufig ist, handelt es sich dabei um einen NS-Vokabular das von seriösen Kinderschutzorganisationen abgelehnt wird.   Die Kritik folgte umgehend.  

Social Media ist keine Einbahnstraße!

Reinhold Gall reagierte mit keinem einzigen Posting auf die zahlreichen Antworten auf seinen Tweet. Stattdessen Business as usual: Gall zwitschert das provinzpolitische Tagesgeschehen als wäre nichts gewesen.

Natürlich wird auf das von einigen Twitter-Usern kritisiert und höhnisch kommentiert. Von Gall weiter kein Kommentar.

Es steht zu vermuten, dass Gall noch immer nicht mitbekommen hat, dass er auf Twitter seit Samstag Abend ein großes Thema ist. Seinen Account pflegt er mutmaßlich gar nicht selbst und ist deshalb womöglich nicht im Bilde. Ob seine Mitarbeiter die Antworten auf seine Tweets lesen und ihrem Chef kuratieren ist fraglich.

Fest steht, dass Social Media keine Einbahnstraßenkommunikation ist. Wer sich entschließt, diesen Kanal zu bespielen, sollte sich im Klaren sein, dass ein größerer Aufwand nötig ist, als nur täglich ein Routine-Posting abzusetzen das in gleichem Wortlaut auf verschiedenen Plattformen erscheint (hier: Twitter und Facebook). Und er sollte sich im Klaren sein, dass es Formulierungen gibt, die eich schnelles Echo hervorrufen.

Wenn man künftig erklären möchte, wie Shitsorms ausgelöst werden können, dann kann man Reinhold Galls Aktivitäten auf Twitter allerdings als Paradebeispiel heranziehen. Danke dafür.

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