Facebook: Vom Social Network zum Social Everything

Mark Zuckerberg Facebook

Facebook: Vom Social Network zum Social Everything

Facebook macht gerade eine interessante Transformation durch. Vom sozialen Netzwerk entwickelt sich die Plattform sukzessive zu einem Internet-Äqivalent im Kleinen. Die aktuellen Innovationen der Instant Articles und der In-App-Search zeigen, in welche Richtung es gehen wird.

Instant Articles

Heute morgen versetzte die Nachricht, Facebook würde mit ausgewählten Partnern seine neue Funktion Instant Articles ausrollen, die Filterblase in Aufruhr. Dabei geht es um journalistische Artikel die künftig direkt innerhalb von Facebook ausgespielt werden, ohne dass der Leser die Plattform noch verlassen müsste. Für die Partner ist somit theoretisch keine eigene Website, App o.ä. mehr notwendig. Facebook, ohnehin wichtigster Traffic-Lieferant, bietet die Artikel direkt selbst in besserer Qualität an.

Fragen stellen sich da natürlich nach der Art und Weise der Monetarisierung. Facebook bietet seinen einen guten Deal an, nachdem ein Großteil der Einnahmen aus FB-Werbung an die Partner geht, eigene Werbeeinnahmen verbleiben komplett bei den Anbietern der journalistischen Inhalte. Facebook gestattet sich als einzige Gegenleistung die Auswertung der Interaktionsdaten der Leser. Klingt für die gebeutelte Medienbranche eigentlich nach einem guten Deal. Zu einem vernünftigen Monetarisierungskonzept haben es klassische Medienhäuser im Netz schließlich bisher nicht gebracht.

Interessant ist jedoch die Frage, wie die Positionierung anderer Artikel zukünftig aussieht. Facebook arbeitet mit großen Marken zusammen, darunter Bild, Spiegel Online und Buzzfeed. Anderen Zeitungen oder gar Blogs steht dieses Möglichkeit nicht offen. Zu einer schlechteren Positionierung im Newsfeed der Facebook-Nutzer soll dies für sie dem Vernehmen nach nicht führen.

In-App-Search

Bereits in der vergangenen Woche wurde bekannt, dass Facebook künftig ein größeres Stück vom Suchmaschinenkuchen abhaben möchte. Zunächst auf IOS-Geräten wird dazu die sogenannte In-App-Search getestet. Diese gestattet es Nutzern, ihre Beiträge um einen Link zu ergänzen, den sie unmittelbar in der App recherchieren können. Eine Recherche über externe Dienste wie Google ist damit nicht mehr nötig.

Anders als Google crawlt Facebook nicht eigenständig das Netz. Statt dessen bedient es sich der eigenen Daten. Die Annahme: Bei 1,5 Milliarden Facebook-Mitgliedern müsste jeder relevante Link bereits mindestens einmal geteilt worden sein. Aus diesen Links speist Facebook nun seinen eigenen Suchergebnisse. Eine solche Einbeziehung sozialer Aspekte in seine Suchergebnisse strebt der Marktführer Google bereits seit einigen Jahren an, scheiterte bisher aber. Im Themenkomplex Social SEO dürfte damit nun eine Frischzellenkur erfahren.

Was hat Facebook vor?

Ziel von Facebook ist es natürlich, die Nutzer noch länger auf der eigenen Plattform zu halten. Facebook entwickelt sich damit mehr und mehr zu einer kleineren, sozialen Abbildung des Webs. Längere Verweildauer eines Nutzers ermöglicht es Facebook, mehr Daten zu sammeln und damit zielgerichtetere Werbung verkaufen zu können. Eine Ausdehnung auf weitere Geschäftsfelder ist denkbar.

Zugleich versetzt Facebook durch diese Maßnahmen seinem großen Konkurrenten Google einen heftigen Schlag. Je mehr Informationen ein Nutzer schließlich direkt auf Facebook erhält, desto weniger ist er darauf angewiesen, bei Google oder anderen Suchmaschinen danach zu suchen. Im Gegensatz dazu arbeitet Google an dem Ausbau seines Knowledge Graph der in mehr und mehr Themengebieten kuratierte Inhalte bieten sollen. Facebook scheint mit den jüngsten Innovationen jedoch bereits einen deutlichen Vorsprung zu haben.

Was bedeutet das für das Social Media Marketing?

Interessant bleibt die Frage, wie wir im Social Media Marketing mit dieser Entwicklung umgehen sollen. Fest steht wohl, dass der Markt immer komplexer wird. Mit dem zunehmenden Eintritt klassischer Medienhäuser in die soziale Sphäre, werden auch diese als Partner für gesponserte Werbung deutlich interessanter.

Über die In-App-Search dürfte Facebook zudem als Traffic-Lieferant noch attraktiver werden, wohingegen Google hier wohl weiter verliert. Abzuwarten bleibt, wie sich der Algorithmus gestaltet, nach dem Suchergebnisse innerhalb von Facebook ausgespielt und sortiert werden. Social SEO könnte damit jedoch eine kleine Renaissance erleben.

Schließlich bleibt die Frage offen, wie Inhalteanbieter wie Blogger auf die aktuellen Entwicklungen reagieren. Die Fanpage könnte als verlängerter Arm des Blogs weiter an Bedeutung gewinnen. Will man als Blogger nicht an Reichweite verlieren, wird man künftig wohl noch relevantere Inhalte für Facebook optimieren um das Rennen um hohe Interaktionsraten nicht zu verlieren. In diesem dürften die Partner von Instant-Articles zunächst einmal die Nase vorn haben.

 

Bild: (CC) Brian Solis, www.briansolis.com and bub.blicio.us.

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