Der Blogger Kommentiertag und die deutsche Blogosphäre

Der Blogger Kommentiertag und die deutsche Blogosphäre

Der Blogger Kommentiertag und die deutsche Blogosphäre

Am 3. Oktober findet der vierte Blogger Kommentiertag statt. Ziel der Veranstaltung ist es, Menschen dazu zu bringen, auf Blogs Kommentare zu schreiben. Aber sollte das nicht eigentlich sowieso passieren? Insbesondere Blogger sollten doch eigentlich ein starkes Interesse daran haben, andere Blogs zu kommentieren und dazu nicht eigens einen speziellen Termin im Kalender festlegen müssen. Oder etwa nicht?

Um das von vornherein klarzustellen: Ich halte den Blogger Kommentiertag für eine gute Idee.

Ich denke allerdings auch, dass die Notwendigkeit dass es ihn gibt auf deutlich macht, welche Probleme die deutschsprachige Blogosphäre hat.

Blogs sind qua Definition soziale Kommunikationsmedien. Als solche werden sie in Deutschland aber offenbar nicht begriffen.

In deutschen Blogs wird allgemein sehr wenig kommentiert. Das reduziert sie auf Medien, die nicht über die Einbahnstraßenkommunikation eines Printmagazins hinauskommen. Dabei können Blogs doch eigentlich viel mehr.

Einstmals galten Blogs dem Austausch zwischen Menschen, die etwas mitzuteilen hatten. Der Blogger ist mit seinen Lesern in eine Gesprächssituation eingetreten. Blogger haben untereinander diskutiert. Leser von Blogs haben unter den Beiträgen anregende Diskussionen geführt.

Damals.

In der guten alten Zeit.

Und heute?

Heute stehen die meisten Blogs isoliert vom Rest der Welt da und hoffen darauf, dass sie gelesen werden.

Und das werden sie nachwievor. Das ist nicht das Problem.

Blogs finden ihre Leser über die Suchmaschinen und über Social Media. Ich denke nicht, dass wir sagen können, dass Blogs insgesamt in ihrer Bedeutung abgenommen hätten. Blogs sind heute so wichtig, wie nie zuvor.

Das gilt auch für die Reichweiten einzelner Blogs, die sicher niemals solche Dimensionen hatten wie heute.

Etwas hat sich aber trotzdem verändert. Und das macht mir Sorgen.

Ich rede von der Kulturtechnik des Bloggens. Und zu der hat einstmals die soziale Interaktion gehört.

Dass viele Blogs (so auch dieser hier) keine oder nur sehr wenige Kommentare unter ihren Beiträgen aufweisen ist nur eines dieser Symptome.

Wenn ich einen interessanten Artikel gelesen habe und etwas hinzuzufügen habe, kommentiere ich diesen Artikel auch. Das habe ich mir so angewöhnt. Habe ich nichts von Gehalt mitzuteilen, spare ich mir auch meinen Kommentar. Ich stimme Steve Naumann da ausdrücklich zu, der sagt dass Kommentare nicht zuletzt auch ein Ausdruck der Wertschätzung für die Arbeit des Bloggers sind. Und vollkommen Recht hat er aber natürlich auch, wenn er schreibt, dass uns als Bloggern Kommentare mit Mehrwert am Liebsten sind.

Aber wenn man trotz zahlreicher regelmäßiger Besucher gar keine Kommentare bekommt? Das ist schon irgendwie traurig.

Ein weiteres Symptom für den Verfall der Blogkultur ist die rückläufige Verlinkung von Blogs untereinander.

Früher hat sich die Blogosphäre gerade durch ihre starke Vernetzung ausgezeichnet. Und heute? Immer weniger Blogger verlinken ihre Kollegen in ihren Beiträgen.

Ist daran die Angst um den eigenen Traffic schuld? Oder Neid? Oder Unwissenheit?

Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung.

Ich möchte aber trotzdem drei Thesen formulieren, die an der ganzen Misere schuld sein könnten:

1. Social Media raubt den Blogs ihren sozialen Charakter

2. die Angst vor Spam macht das Kommentieren unattraktiver

3. ohne Trackbacks macht das Verlinken keinen Spaß mehr

1. Social Media raubt den Blogs ihren sozialen Charakter

Der Austausch zwischen einem Blogger und seinen Lesern konnte früher lediglich über die Kommentare unter seinen Beiträgen stattfinden.

Und dann kamen Facebook und Twitter.

Heute honorieren Leser Blogbeiträge durch einen Klick den like-Butten. An guten Tagen schreiben sie vielleicht noch einen Kommentar unter die Verlinkung zum Artikel auf der dazugehörigen Fanpage.

Und das wars dann auch.

Auf dem Blog selbst, findet quasi keine Interaktion mehr statt. Schade drum.

Jetzt bin ich als Socialmediadozent natürlich der Letzte, der sich einen Rückgang der sozialen Interaktionen auf Facebook und Twitter wünscht. Dass darunter aber die Interaktionen auf den Blogs leiden, kann nicht Sinn der Übung sein.

Vielleicht kann der Blogger Kommentiertag daran ja etwas ändern?

Mittelfristig würde ich mir einen gesunden Mittelweg wünschen. Ich bin kein Freund von einfachem Schwarz-weiß-Denken. Ich bin davon überzeugt, dass Kommunikation auch parallel über verschiedene Kanäle erfolgen kann.

Vielleicht kann der Blogger Kommentiertag da ja tatsächlich einen Beitrag leisten.

2. die Angst vor Spam macht das Kommentieren unattraktiver

Ein weiteres Problem das ich sehe, ist die Schwierigkeit dass das Kommentieren auf Blogs erheblich unattraktiver wurde.

Das ist wohl vor allem der nicht unberechtigten Angst vor Spam geschuldet.

Auch ich behalte mir vor, Kommentare vor ihrer Veröffentlichung zunächst zu prüfen. Ansonten bekäme ich hier täglich an die zehn Spamkommentare inklusive ihrer üblen Links.

Und auf meinen anderen Blogs ist die Situation noch schlimmer.

Darüber hinaus führte die Angst vor Spam dazu, dass viele Blogger die Links in ihren Kommentarspalten standardmäßig auf „rel=nofollow“ stellen.

Das macht das Kommentieren für andere Blogger natürlich unattraktiver.

Spätestens an dieser Stelle habe ich Zweifel, ob eine ad hoc-Aktion wie der Blogger Kommentiertag etwas ändern kann.

Die Angst vor Spam ist schließlich durchaus berechtigt und das Problem ist allgegenwärtig.

3. ohne Trackbacks macht das Verlinken keinen Spaß mehr

Eng verwandt mit diesem Problem ist die Entwicklung, dass immer weniger Blogger Trackbacks/ Pingbacks in ihren Kommentaren zulassen.

Dabei ist das doch eigentlich ein gutes System:

Ich verlinke in meinem Beitrag einen anderen Blog, in diesem werde ich reziprok durch ein Trackback verlinkt.

Die Leser werden somit auf einen thematisch verwandten Beitrag hingewiesen, die beteiligten Blogger bekommen einen begehrten Backlink.

Eine klassische Win-Win-Situtuation.

Leider sinkt auch die Zahl der Blogs, die Trackbacks erlauben stetig. Sicherlich hat auch das mit der Zunahme an Spam zu tun. Der Diskussion von Bloggern untereinander tut diese Entwicklung aber sicher nicht gut.

Kann der Blogger Kommentiertag an all diesen Entwicklungen etwas ändern?

Wahrscheinlich nicht.

Und dennoch sensibilisiert es vielleicht den ein oder anderen für die Problematik. Vielleicht erhöht er aber einfach auch nur die Bekanntheit so mancher Blog-Perle, die bisher nicht die gebührende Aufmerksamkeit bekommen hat.

Auch dann wäre der Blogger Kommentiertag sich schon ein kleiner Erfolg.

Wie sieht es bei dir aus? Kommentierst du fremde Blogartikel? Und was denkst du über den Blogger Kommentiertag?

6 Comments

  1. Evy , on Okt 3, 2015 at 08:55 Antworten

    Mein erster KOmmentar im Rahmen des Kommentiertages 🙂 Deine Euphorie möchte ich nur ungern bremsen, aber ich habe das Gefühl, dass der Kommentiertag für die Teilnehmer nicht so reizvoll ist. Ich unterstützte das Projekt und für mich bedeutet es viel Spaß. Aber die Teilnehmerzahl nimmt ab und schon beim letzten Mal beklagten sich Leute, dass sie gar keine Kommentare bekamen oder diese nicht gehaltvoll waren. Der KOmmentiertag lässt uns über den Tellerrand blicken, aber die Sperren baut er nicht ab.

    Lustigerweise hatte ich bei „Angst vor Spam“ zuerst „Scham“ gelesen. Und das spielt für mich eine große Rolle. Ein AMU zu loben ist einfach. Einen Blogger anzuhimmeln auch. Aber sich kritisch zu äußern und etwas beizutragen? Man hat Angst, dass es negativ auf einen zurückfällt oder man möchte dem Blogger, der sich soviel Arbeit gemacht hat, nicht wehtun.

    Verlinken ist aus meiner Sicht eine Ego-Sache – man verlinkt nicht, weil nicht sichergestellt ist, dass man eine Gegenleistung, also einen Gegenlink bekommt. Ich denke mir meistens: Wenn der Artikel hilfreich für den Leser ist, verlinke ich ihn. Und vermutlich denken viele nicht dran. Das ist aber branchenspezifisch – ich denke grade an die News-Posts der Beautyblogger.

    Btw. Die Idee mit der Fettformatierung ist gut – aber du hast es etwas übertrieben. Da ständig ein Wort fett ist, wird mein Lesefluss gestört.

  2. Bianca , on Okt 3, 2015 at 11:08 Antworten

    Interessanter Artikel zu diesem Thema! Ich wusste ehrlich gesagt nicht, dass es ein allgemeines Problem deutscher Blogs ist, dass zu wenig kommentiert wird. Ich dachte immer, dass das rein auf die Größe des Blogs ankommt. So habe ich zwar offiziell über 150 Leser, die mir über GFC folgen, aber meine Rezensionen werden eigentlich so gut wie never ever, niemals nicht kommentiert, was mich ehrlich gesagt schon etwas frustriert. Man sagt zwar immer, man bloggt ja vor allem für sich, aber ich freue mich tatsächlich sehr über Feedback – auch wenn ich weiß, dass die Leute mittlerweile von Blogs überhäuft werden.

    Liebe Grüße
    Bianca

  3. Alex , on Okt 3, 2015 at 11:52 Antworten

    Hallo Patrick !

    Wichtige und richtige Aspekte, die du da ansprichst. Auch wir stehen angesichts der wirklich nervigen Spam-Kommentare vor der Frage – wie gehen wir mit dem Kommentieren um – benutzen wir Disqus oder andere Plugins – nach langem Überlegen haben wir uns aber dafür entschieden, lieber die Spams zu löschen und dafür anderen Bloggern die Möglichkeit der Backlinks und Trackback zu lassen (wir moderieren auch).

    Zu Kommentieren selbst – nach der Teilnahme am vorletzten BloKoDe haben wir begonnen wirklich immer, wie du es auch schreibst, wenn uns ein Beitrag gefällt, auch zu kommentieren. In letzter Zeit bin ich aber etwas nachlässig geworden, ich versuche doch immer wieder gleich zu kommentieren.

    Viele liebe Grüße aus Wien
    Alexandra

  4. Stefanie , on Okt 3, 2015 at 17:54 Antworten

    Hallo Patrick, Du bist jetzt der Erste, den ich mir aus der Bloggerkommentiertagliste rausgesucht habe. Und gleich ein interessanter Beitrag. Insofern hat sich für mich das Ganze schon gelohnt. Ich kommentiere ganz gern auf Blogs. Und erhalte im Gegenzug auch viele Kommentare auf unserem Blog (viele jedenfalls in Relation zur Größe). Was mich vom Kommentieren manchmal abhält, sind unelegante calls-to-action. Das finde ich oft peinlich. Einen schönen Kommentiersonnabend weiterhin; Stefanie

  5. Lina , on Okt 11, 2015 at 13:55 Antworten

    Hallo an alle!

    Das Problem mit Facebook und Co. kann ich sogar teilweise verstehen. Wenn ich einen Beitrag toll finde, dann möchte ich ihn nicht nur kommentieren, sondern auch teilen. Mit einem Klick auf einen Facebook-Button kann ich beides erledigen. Ist bequem und hat seinen Zweck erfüllt. Die Frage ist, ob man vielleicht als Blogger in Deutschland dazu gezwungen ist, seine Zielsetzung zu überdenken. Mir persönlich wäre es lieber, mich nicht ausschließlich auf Social Media Kanälen bewegen zu müssen.

    Ich wünsche allen einen schönen Sonntag und viel Spaß beim Kommentieren außerhalb des Blogger-Kommentiertags.

  6. Tonia , on Nov 24, 2015 at 13:14 Antworten

    Weniger kommentiert wird auch in der polnischen Blogosphäre, die meiste Blogger-Leser-Interaktion läuft über FB ab. Ich habe täglich über 300 Besucher auf meiner Webseite, Kommentare kann ich aber auf einer Hand abzählen.

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